Schulgeschichte

Zur Gründung der Schule (Ende des 19. Jahrhunderts)
©  P. Karanitsch

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Mödling ein kleiner, stark vom Weinbau geprägter Gewerbeort. Im Jahr 1816 zählte Mödling 2.175 Einwohner und 279 Häuser; 151 Hausbesitzer waren Weinhauer, 77 Gewerbetreibende. Damit war Mödling bevölkerungsmäßig seit dem Mittelalter praktisch unverändert geblieben – schwächer besiedelt als der benachbarte Kurort Baden und nur wenig größer als der Markt Perchtoldsdorf. Doch in den folgenden Jahrzehnten bewirkten mehrere Faktoren einen gewaltigen Aufschwung des Marktes Mödling: die idyllische Lage Mödlings am Rande des Wienerwaldes, die Schönheit des wildromantischen Klausentales, die zahlreiche Künstler in ihren Bann zog, die Nähe zur kaiserlichen Metropole Wien, der Zeitgeist des Biedermeier, und vor allem die bessere Verkehrsverbindung seit der Eröffnung der Südbahn 1841 machten Mödling zu einem beliebten Naherholungs- und Zuzugsort – aber auch die beginnende Industrialisierung ließ die Ortschaft rasch wachsen. So entstanden östlich der Bahnlinie Arbeitersiedlungen, der Norden und Süden der Stadt wurden durch gründerzeitliche Villensiedlungen geprägt. Die Bevölkerungskurve zeigt 1869 einen deutlichen Knick nach oben. Der rasanten Entwicklung wurde durch die Modernisierung des Ortes Rechnung getragen, vor allem unter Bürgermeister Joseph Schöffel (1832-1910, Bürgermeister von 1873-1882), der für den Markt Mödling auch die Erhebung zur Stadt (1875) erwirkte. Im Jahr 1910 hatte Mödling bereits 18.067 Einwohner, also einen mit heute vergleichbaren Bevölkerungsstand.

Es ist klar, dass unter diesen Bedingungen der Ort entsprechende Möglichkeiten zur Bildung seiner Jugend benötigte. Wie in vielen anderen Bereichen stellte auch diesbezüglich Joseph Schöffel die Weichen und regte die Gründung einer Mittelschule an. Als Oberkurator der Sparkasse Mödling erwirkte er 1895 die Freigabe beträchtlicher finanzieller Mittel: die Sparkasse finanzierte den Bau des Gymnasiums auf einem von der Hyrtlstiftung erworbenen Grundstück des benachbarten „Freihofes“, stellte das Schulinventar zur Verfügung und verpflichtete sich überdies zur Erhaltung, Beheizung, Beleuchtung und Reinigung der Schule. Mit ausschlaggebend dürfte auch die allgemein hohe Investitionsbereitschaft gewesen sein, die dem Wunsch des Kaisers Franz Joseph I. Rechnung tragen sollte, dessen 50-jähriges Regierungsjubiläum durch die Gründung wohltätiger Institutionen von dauerndem Wert zu würdigen.

Das Niederösterreichische Landesrealgymnasium 1897-1900

 

Postkarte zur Gründungszeit, Archiv Museum Mödling

Nur rund zwei Jahre nach dem Beginn der Planungen war das Schulgebäude fertiggestellt und im Herbst 1897 konnte der Schulbetrieb des Niederösterreichischen Landes-Realgymnasiums aufgenommen werden, und zwar mit der überraschend hohen Zahl an Einschreibungen von 56 Kindern in die 1. Klasse und 17 in die 2. Klasse. Die feierliche Eröffnung fand am 4. Oktober 1897, dem Namensfeste Seiner Majestät, statt. Der Stadtpfarrer Ferdinand Herrmann nahm die kirchliche Einweihung statt. Seine Rede wurde in einem kleinen Druckwerk festgehalten.
Rede zur Einweihung (Faksimile)

Für das Schuljahr 1898/99 begehrten weitere 142 Schüler die Aufnahme in die Schule, wodurch einerseits eindrucksvoll die Daseinsberechtigung des Gymnasiums unter Beweis gestellt wurde, andererseits ein Ausbau des Mitteltraktes nötig schien. Dieser neue Teil wurde zügig und ohne Schwierigkeiten gegen Süden hin an das Schulgebäude angeschlossen, da die vorausschauenden Planungen des Architekten Eugen Sehnal bereits eine Erweiterung vorgesehen hatten.

Grundlage des Unterrichts war ein von Direktor Franz Roch (1897-1912) den lokalen Verhältnissen angepasster Lehrplan, nach dem bereits ab der 1. Klasse Latein und ab der 3. Klasse Griechisch oder Französisch unterrichtet wurde. Die weiteren Fächer waren Religion, Deutsch, Geographie und Geschichte (als Einheit), Mathematik, Naturgeschichte, Physik und Chemie (als Einheit in der 3. und 4. Klasse) sowie Zeichnen. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf Latein, dem bereits in der ersten Klasse 8 von 27 Wochenstunden gewidmet wurden, und selbst der Grammatikunterricht war ganz auf die Unterstützung des Lateinunterrichts ausgerichtet. Der mit 3 Wochenstunden weit abgeschlagene Mathematikunterricht wurde immerhin durch 4 Wochenstunden Zeichenunterricht gestützt, in dem wesentlich auf das Zeichnen geometrischer Gebilde eingegangen wurde.

Im Gründungsjahr 1897 wurden auch die „Disziplinarvorschriften“ für das n.-ö Landes-Realgymnasium herausgegeben. Sie regelten mit Erlass des „hohen k. k. n.-ö Landesschulrathes“ die Pflichten der Schüler innerhalb und außerhalb (!) der Schule sowie die Strafmöglichkeiten bei diversen Vergehen, die bis zum gefürchteten „Karzer“ oder zum Schulausschluss reichten. Hier als „Zuckerl“ für die heutigen Schüler das Original zum Nachlesen (aus dem Archiv des Mödlinger Museums, 6 Seiten):
Disziplinarvorschriften 1897.

Das Niederösterreichische Landes-, Real- und Obergymnasium 1900-1909

Mit der Eröffnung einer Oberstufe im Schuljahr 1900/1901 entschied man sich – auf Wunsch der Bevölkerung, und weil sich in der 3. Klasse die überwiegende Mehrheit der Schüler dem Fach Griechisch zuwandte – zur Einrichtung eines „Obergymnasiums“ und nicht für eine Realschule. In Mödling konnten demnach nur Schüler die Oberstufe besuchen, die sich bereits in der 3. Klasse für Griechisch entschieden hatten. Die lebende Fremdsprache Französisch (von Englisch war damals keine Rede!) wählten hauptsächlich jene Schüler, die in eine Oberrealschule, eine Fachschule oder ins Berufsleben wechseln wollten. Damit erfolgte also bereits bei 12-jährigen Kindern die Entscheidung für den weiteren Bildungs- und Berufsweg.

Im Jahre 1902 gingen das Schulgebäude und die Schulerhaltung an das Land Niederösterreich über, 1904 wurde die Stadtgemeinde Mödling auch vom jährlich zu leistenden Erhaltungsbeitrag erlöst – allerdings gegen die Verpflichtung zur dauernden Wasserversorgung der Mittelschule.

Das neue Gymnasium war für die Entwicklung Mödlings von enormer Bedeutung; es stellte eine wichtige Voraussetzung für den Zuzug stabiler Familien dar, die den Wohnort von den Bildungsgelegenheiten ihrer Kinder abhängig machen. Betroffen davon waren beispielsweise die Familien der Verwaltungsbeamten, die als Mitarbeiter der (gleichfalls 1897) gegründeten Bezirkshauptmannschaft Mödling hierher übersiedelten, sowie Techniker und Arbeiter, die in den neuen Industriebetrieben Beschäftigung fanden, aber auch Zuzügler aus der Großstadt und Pendler – ein Trend, der bis heute anhält. Das Mödlinger Gymnasium stellte auch für die Nachbarorte die beste Bildungsmöglichkeit dar. Im Jahre 1904 wies die Anstalt rund 280 Schüler auf, von denen fast die Hälfte aus dem Umland Mödlings kam. Im Juni dieses Jahres wurde auch die erste Matura abgehalten, zu der 9 ordentliche Schüler und ein Externist angetreten waren.

Das achtklassige niederösterreichische Landes-Realgymnasium 1909-1921

 

Mit dem Schuljahr 1909/10 wurde der Lehrplan nach einer Verordnung des Ministeriums (1908) auf ein achtklassiges Realgymnasium umgestellt. Der Anstaltsdirektor Franz Rathsam (1912-1919) beklagte den Verlust des Griechischunterrichts und stellte wehmütig fest, dass die Homerbüste in der Anstalt Sinn und Bedeutung verloren hätte. An Stelle von Griechisch wurde nun Französisch obligatorisch, auch die Lateinstunden wurden verringert, wohingegen die Deutsche Sprache aufgewertet wurde. Darstellende Geometrie gab es bereits in der 5. und 6. Klasse, und Geschichte wurde von Geographie getrennt, dafür wurden in der 4. Klasse Naturgeschichte, Physik und Chemie zusammengefasst. Chemie gab es in der 6. und 7. Klasse mit je 2 Wochenstunden, Mathematik blieb weiterhin relativ knapp. Während der Musikunterricht lediglich als Freigegenstand angeboten wurde, war das „Freihandzeichnen“ Pflichtgegenstand. Die immer besser ausgestatteten Lehrmittelsammlungen und das neue Angebot von Physikalischen und Chemischen Schülerübungen zeigen bereits den Weg zu praxisorientiertem Unterricht.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges bedeutete für die Mödlinger Mittelschule einen jähen Einschnitt: Im Laufe des Schuljahres 1914/15 vertauschte beinahe die Hälfte des damaligen Lehrkörpers seinen Arbeitsplatz in den Klassenstuben mit den Kasernenräumen, aber auch von den Schülern rückte Jahr für Jahr eine beträchtliche Anzahl zum Militär ein – viele von ihnen kamen aus den fernen Schlachtfeldern nie wieder zurück. Die zurückgebliebenen Lehrer und Schüler stellten ihre ganze Kraft in anderer Weise in den Dienst des Vaterlandes: Neben dem Unterricht wurde eine Jugendwehr ins Leben gerufen, die eine militärische Vorschulung vermittelte, die Schule wirkte auch bei der Erhaltung der Infrastruktur – vom Marktamt bis zum Roten Kreuz – eifrig mit. Lehrer und Schüler konnten in der Kriegsmetallsammlung mehr als 6 Tonnen Metall für die Kriegsmaschinerie einbringen, und bei den sogenannten Liebesgabensammlungen wurden beträchtliche Mengen an Rauchzeug, Schokolade oder Wäsche den Soldaten zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen dieser Kriegsfürsorgeaktionen wurde vom Professor für „Freihandzeichnen“ Karl Lang eine künstlerische Postkarte geschaffen. Die aufwändig mit Goldfarbe bedruckte Jugendstilgrafik stellt den heiligen Michael dar, wie er, die Reichsgrenze schützend, die sie bedrohende Schlange durch den Huftritt seines Rosses vernichtet.

Das Bundesrealgymnasium der Ersten Republik 1921-1938

Als die Schrecken des Krieges vorbei waren, folgte eine Periode von wirtschaftlichem Niedergang und Armut. Viele Schüler fanden in Holland, in der Schweiz oder in skandinavischen Ländern gastliche Aufnahme und blieben monatelang dem Unterricht fern. Die daheim gebliebenen Schüler waren oftmals krank und unterernährt; nicht selten erlebten sie Kälteferien, weil nicht genug Heizmaterial zur Verfügung stand. Direktor Franz Holzmeister (1918-1929), selbst ein kämpferischer Mann, konnte mit seinem geschlossen hinter ihm stehenden Lehrerteam diese schwierige Zeit meistern und viele Schüler aus den Wirren jener Zeit heraus halten. Am 5. November 1921 ging die Anstalt in die Verwaltung des Bundes über, sie wurde zum „Bundesrealgymnasium“ in Mödling, das Gebäude verblieb jedoch weiterhin im Eigentum des Landes Niederösterreich.

Mit dem Schuljahr 1926/27 durfte erstmals in der 3. und 4. Klasse neben Französisch auch Englisch unterrichtet werden. Die Darstellende Geometrie wurde auf die ganze Oberstufe ausgedehnt, Chemie in die 5. und 6. Klasse verlegt, und Philosophie in der 7. und 8. Klasse unterrichtet. Die humanistische Bildungsidee ging allerdings nicht verloren; es gab ein – unentgeltliches – Angebot von Griechisch.

Das Schuljahr 1927/28, in dem die Schule übrigens 502 Schüler aufweisen konnte, brachte eine weitere Lehrplanänderung: Die Deutsche Sprache wurde auf 34 Stunden innerhalb der acht Schulstufen weiter aufgewertet, Latein auf 32 reduziert. Außerdem wurde ab der 5. Klasse wahlweise Französisch oder Englisch unterrichtet. Bemerkenswert war die Einführung des Handarbeits- und Gesangsunterrichts in den ersten drei Klassen, der Turnunterricht umfasste durchgehend drei Wochenstunden. Ab 1930 führte Direktor Adalbert Domascho die Geschicke der Schule. Ab 1936/37 wurde der Englischunterricht bereits in der 3. Klasse begonnen, damit erhielt Englisch als internationale Verkehrssprache erstmals die Oberhand gegenüber Französisch.

Die Staatsanstalt im „Dritten Reich“ 1938-1945

Der Jahresbericht des Schuljahres 1938/39

 

Die umfassende Unterrichtsreform wurde im Jahr 1938 jäh durch die Besetzung Österreichs abgebrochen. Das Bundesrealgymnasium wurde zum Staatsrealgymnasium in Mödling bei Wien, Direktor Domascho

und der Großteil des Lehrkörpers wurden ausgetauscht; der neue Direktor war Arthur Lünemann (1938-1943). Mit der Schaffung des Großraumes Wien wurde die Schule in die „Staatliche Oberschule für Jungen in Wien-Mödling“ umbenannt, die Schüler wurden im Sinne des „Dritten Reiches“ gedrillt. Die Spitze des Lehrfächerkanons wurde nun von der Leibeserziehung mit 5 Wochenstunden in allen Klassen eingenommen. Die Gegenstände Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Kunsterziehung, Handarbeit und Musik galten als eine Einheit, als sogenannte „Deutschkunde“. Biologie, Chemie, Physik, Rechnen und Mathematik stellten die naturwissenschaftlichen Fächer dar. Englisch wurde ab der 1. Klasse unterrichtet, Latein ab der 2. bzw. 3. Klasse. Man führte eine Differenzierung zwischen einem naturwissenschaftlich-mathematischen und einem sprachlichen Zweig ein. Schlusslicht der Gegenstände bildete der Religionsunterricht, der bald in „Konfessionsunterricht“ umbenannt wurde. Anstelle der Semester wurden Trimester mit der dreimaligen Ausgabe von Zeugnissen eingeführt, die Notenskala umfasste sechs Stufen.

Fliegerabwehrkanone am Eichkogel, im Hintergrund Wehrmachtsbaracken; Archiv Bezirks-Museums-Verein Mödling

In den folgenden Jahren wirkten sich die Ereignisse des 2. Weltkrieges immer deutlicher auf die Schule aus: Durch Einberufungen zum Militärdienst kam es immer wieder zu Lehrerwechsel, zu Stundenplanänderungen und zur Herabsetzung der Stundenanzahl oder gar zum totalen Ausfall einzelner Fächer. Selbst Schüler wurden zum Heeresdienst rekrutiert und versahen beispielsweise an den Flakstellungen am Eichkogel ihren Dienst. Direktor Julius Tschernoch (1943-1945) stand den chaotischen Zuständen trotz ehrlicher Bemühungen machtlos gegenüber.

Das Bundesrealgymnasium Wien 24. – Mödling 1945-1954

 

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und des Wahnsinns des nationalsozialistischen Reiches galt es, eine neue Welt in besserem Geiste erstehen zu lassen. Das Schulgebäude war durch die Kriegsereignisse zum Glück nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, doch die nun folgende Zeit der russischen Besatzung in Ostösterreich führte zur Beschlagnahme des Gebäudes, zur Einquartierung einiger Abteilungen der Bundesgewerbeschule und zu mehrmaligem Übersiedeln des „Bundesrealgymnasiums Wien 24. – Mödling„, das schließlich bis 1953 in der Knabenhauptschule Thomastraße Unterschlupf finden konnte. Von 1945 bis 1955 gab es auch nur provisorische Leiter der Schule, der Unterricht erfolgte nach provisorischen Lehrplänen. Religion führte wieder die Reihe der obligaten Gegenstände wie früher an, der Unterricht aus der Muttersprache hieß mit Rücksicht auf die Besatzungsmacht, der das Wort „Deutsch“ suspekt war, „Unterrichtssprache“. Englisch gab es ab der 1. Klasse, Latein erhielt insgesamt 30 Wochenstunden ebenso wie Mathematik zusammen mit Darstellender Geometrie. Im Geschichtsunterricht wurde auf die Herausbildung eines richtigen Weltbildes besonderes Augenmerk gelegt, das Fach entwickelte sich vom reinen Geschichtsunterricht hin zu einem mit Sozialkunde erweiterten Angebot.

Unzählige Schüler aus benachbarten Ortschaften wie Maria Enzersdorf, Brunn, Perchtoldsdorf u.a. fuhren mit der Wiener Strassenbahnlinie 360 in die Schule nach Mödling. Die Linie verkehrte von 1921-1967.

Das Bundesrealgymnasium bzw. Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium von 1954 bis 2000

©  P. Karanitsch

Ab 1. September 1954 wurde Mödling durch das „Gebietsänderungsgesetz“ von Wien wieder losgetrennt, die Schule unterstand daher nicht mehr dem Wiener Stadtschulrat, sondern dem niederösterreichischen Landesschulrat. Im Sommer 1954 begann man auch mit der Aufstockung der beiden Seitentrakte der Schule, so dass ab Weihnachten 1955 wieder ein normales Raumangebot zur Verfügung stand. Auch die Erneuerung der Inneneinrichtung und die Ergänzung der Sammlungen wurden vorangetrieben, vor allem durch den umtriebigen neuen Direktor Hans Wittibschlager (1955-1962). Die Schule hieß nun „Bundesrealgymnasium Mödling„, bis es dem Direktor gelang, im Schuljahr 1957/58 wieder einen rein humanistischen Zweig mit Griechisch ins Leben zu rufen. Zehn Schüler und eine Schülerin meldeten sich für diesen Schulzweig. Die Schule nannte sich nun stolz „Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium“ und führte den gymnasialen und realgymnasialen Zweig in einer Klasseneinheit – wenn im einen Zweig Griechisch angesetzt war, erhielten die anderen Schüler Unterricht in Englisch und Physik. Die ersten Gymnasiasten zeigten so großen Leistungswillen, dass sie ihren realgymnasialen Kollegen auch in den realistischen Fächern nicht nachstehen wollten, am Freigegenstand Darstellende Geometrie teilnahmen und sogar bei der Reifeprüfung im Sommer 1961 Ergänzungsprüfungen ablegten – was die bemerkenswerte Folge hatte, dass sie Abgänger eines Gymnasiums und Realgymnasiums zugleich waren.

Die Lehrer des Schuljahres 1956-57 1. Reihe (v.l.n.r.): Helf (Percig) Herta, Ecker Herta, Hettwer Friedrich, Pichowetz Gustav, Wittibschlager Hans, Berg Arthur, Kögler Franz, Güttenberger Hedwig, Suete Hildegunde; 2. Reihe: Kristof Hans, Wressnig Franz, Kunz Kurt, Waldner Franz, Schneider Karl, Preiß Lothar, Herdlicka Josef, Schlöglhofer Alois, Wiesinger Hans, Machac Leopold, Goller Ernst, Bammer Richard, Grundnig Isidor, Zehndorfer Peter, Hoschek Adolf, Fiklocki Stefan; 3. Reihe: Müller Karl, Benc Karl, Karpischek Gerhard, König Herbert, Daubeck Walther, Abmayer Hermann, Weissenböck Hans, Gamsjäger Gustav, Rudelstorfer Walter, Gombocz Viktor.

Ende der Fünfzigerjahre wurden an der Schule etwas mehr als 500 Schüler unterrichtet, in rund 20 Klassen und Sonderunterrichtsräumen. Das unrentable und unzeitgemäße Heizsystem mittels Kohleöfen wurde immer mehr zu einer unüberwindlichen Schwierigkeit im Schulbetrieb, das ständige Schleppen des Brennmaterials für das Schulpersonal untragbar. Der neue Direktor Franz Kögler (1963-1977), der bereits jahrelang als Administrator die Schwächen der Organisation kannte, erreichte die Anbindung des großen Hauses an die Fernwärme; mit Jänner 1964 verspürten Lehrer wie Schüler erstmals wohlige Wärme aus einer Zentralheizung. Kögler hatte überdies einen starken Anstieg der Schülerzahlen zu bewältigen, der durch einen rapiden Bevölkerungszuwachs, durch die Entstehung neuer Siedlungsgebiete wie etwa der Südstadt sowohl als auch infolge der Abschaffung der Aufnahmsprüfungen entstand. Wurden im Schuljahr 1966/67 noch 626 Schüler in 20 Klassen unterrichtet, musste die Schule 1973/74 bereits für 1160 Schüler in 35 Klassen Platz bieten. Möglich war dies nur durch eine großzügige Erweiterung und Generalsanierung der Schule. Der Südtrakt wurde verlängert, es wurden Nebenstiegen eingebaut, und die Instandsetzung des alten Gebäudes mit der Neueinrichtung von Sonderunterrichtsräumen kombiniert.

Die Erweiterung im Grundriss

(Alle Fotos: Karl Matzner)

Der immer stärker werdende allgemeine Trend zum Besuch einer AHS führte zur Notwendigkeit, in andere Gebäude auszuweichen. Zu Beginn des Schuljahres 1976/77 wurde mit vier ersten Klassen eine Expositur in Perchtoldsdorf eröffnet, die sich bald zu einer eigenständigen Schule unter Direktor Franz Dostal entwickelte.

Dennoch musste im Schuljahr 1978/79 der nächste Direktor der Stammschule in der Franz Keimgasse Lothar Preißmit der „Horrorzahl“ von 1304 Schülern fertig werden, die 39 Klassen bildeten. Als Provisorium wurde das notdürftig adaptierte ehemalige Mädchengymnasium in der Eisentorgasse mit verwendet, welches sogar über eine kleine, den Mödlingbach querende Holzbrücke mit dem Hauptgebäude verbunden wurde, eine Zwischenlösung, die von 1981-95 bestehen blieb. Milderung in der Schüleranzahl brachten in den Achzigerjahren die sinkenden Geburtenzahlen und auch die Eröffnung einer weiteren Expositur in Maria Enzersdorf-Gießhübler Straße, des „Oberstufenrealgymnasiums für Leistungssportler“ das 1985/86 seinen Betrieb aufnahm und Schule und Leistungssport verbinden konnte und zu einem Erfolgsmodell für andere Schulen und Bundesländer wurde. Ab 1990/91 wurde das Angebot auf das „Realgymnasium mit sportlichem Schwerpunkt“ erweitert. Die Expositur Maria Enzersdorf wurde unter den pädagogischen Leitern Adolf Hoschek (1993-96) und Rainer Ristl (ab 1996) zu einer großen Schule, die sich steigender Beliebtheit erfreute.

Ein Luftbild aus dem Jahre 1971

 

Auch das Stammhaus, das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Mödling-Keimgasse, entwickelte sich seit der Übernahme durch die Direktorin Margarete Zelfel im Jahr 1986 zu einer modernen Schule, in der – entsprechend der Schulunterrichtsnovelle von 1986 – unter erweiterten Mitbestimmungsrechten der Schüler und Eltern Schuldemokratie gelebt werden konnte. Der Schulgemeinschaftsausschuss wurde eine wichtige Einrichtung, die gemeinsame Verantwortung für Arbeit und Problemlösungen trägt.

Im Schuljahr 1988/89 begann der Schulversuch „Informatikgymnasium„, der die Synthese einer traditionsreichen Schule mit den Anforderungen der „neuen Technik“ kennzeichnete. Mit der AHS-Reform von 1989/90 wurde in der Oberstufe das System der Wahlpflichtfächer und die Neue Reifeprüfung eingeführt, die erstmals 1993 abgelegt wurde. Diese Neuerungen kommen den Interessen der Schüler und ihren persönlichen Schwerpunktsetzungen entgegen. Das BG/BRG Mödling-Keimgasse bildete darüber hinaus ein modernes Schulprofil.

Hundert Jahre nach Gründung der Schule bietet die „Keimgasse“ fundierte Ausbildung, kombiniert mit vielfältiger Begabtenförderung und zahlreichen Zusatzangeboten sowie Serviceleistungen. Nicht umsonst findet sich das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Mödling-Keimgasse immer wieder unter den besten Schulen des Landes.

Das BG/BRG Mödling-Keimgasse ab 2000

Mit dem Eintritt in das 3. Jahrtausend fand nicht nur eine markante Wende in der Zeitrechnung statt, es kam auch im Schulwesen zu neuen Herausforderungen. Die Tendenz in vielen Familien zu weniger Kindern führte zu einem Wettbewerb der Schulen um ihre Schützlinge, und obwohl in der Region Mödling der so genannte „Pillenknick“ weniger stark zu spüren war als anderswo, findet durch die hohe Anzahl an Schulen ein gehöriger Konkurrenzdruck statt. Für die Schüler brachte diese Entwicklung eine Verbreiterung der Angebote, verbunden mit Spezialisierungen der Schulen auf bestimmte Schwerpunkte. Auch die „Keimgasse“ beschritt verstärkt diesen Weg, der bereits 1988 mit dem „Gymnasium mit Schwerpunkt Informatik“ eingeleitet wurde.

Im Schuljahr 2000/2001 wurde erstmals eine Oberstufenklasse als „Notebookklasse“ geführt und die „Keimgasse“ konnte an einem Pilotversuch des Bundesministeriums für Bildung teilnehmen. Mit diesem Schritt hielten neue Lehr- und Lernformen Einzug in unsere Schule, die Arbeit mit Computer, elektronische Lernmedien und dem Internet wurden für Schüler und Lehrer zur Selbstverständlichkeit. Ab 2002 wurde das BG/BRG Keimgasse mit fünf anderen niederösterreichischen Schulen in einen e-Learning-Cluster aufgenommen, einem Verbund ausgewählter Schulen, die elektronische Lehr- und Lernformen allen Schülern der Schule zugänglich machen und didaktisch, fachlich und technisch zusammenarbeiten. Heute findet im Cluster eine Kooperation zwischen hunderten Schulen aus ganz Österreich mit mehreren Zehntausend Schülern und Schülerinnen statt.  >> mehr

Seit dem Schuljahr 2000-2001 hat unsere Schule auch eine eigene Homepage-Adresse. Die Schulhomepage ist als Service für Eltern und Schüler unentbehrlich geworden. Seit dem Jahr 2004 bietet die Schulhomepage auch ein Forum, auf dem sich Schüler elektronisch mitteilen können. Für die Unterrichtsarbeit bedeutete die Einführung einer Lernplattform völlig neue Möglichkeiten: Lernmaterialien können per Internet abgerufen, ausgetauscht und verschickt werden. Trotz Notebookklassen und e-Learning bleibt aber die menschliche Komponente im Unterricht bestehen und es werden auch weiterhin sportliche und kreative Fähigkeiten der Schüler geschult.

Die Entwicklung eines neuen zeitgemäßen Schulprofils führte mit dem Schuljahr 2004/2005 zu einem neuen Schulzweig, dem Realgymnasium mit naturwissenschaftlichen Praktika. Das bisherige Realgymnasium wurde durch diese neue Form ersetzt, die verstärkt praktische Fähigkeiten schult und die Absolventen der „Keimgasse“ optimal auf das Berufsleben vorbereiten soll.

Ein besonders bemerkenswerter Wurf im Bereich der Begabtenförderung gelang der Direktorin Dr. Margarete Zelfel und dem Betreuer unserer Schule im NÖ Landesschulrat, LSI HR Mag. Rainer Ristl: die Einrichtung eines neuen Schulzweiges, der sogenannten „Modellklassen“. Dieser Zweig ist gedacht für Schüler und Schülerinnen mit besonders guten Anlagen, die bereit sind, diese Anlagen zu nützen und auszubauen und die nicht nur schnell, sondern gleichzeitig auch mit Freude lernen. Kinder aus einem großen Einzugsgebiet südlich von Wien nützen dieses Angebot. Eine Aufnahme ist nach Absolvierung eines Aufnahmeverfahrens in die erste Klasse oder in die Oberstufe möglich. >> mehr

Die Verkleinerung der Klassengrößen in der Unterstufe auf höchstens 25 Schülerinnen bzw. Schüler brachte viele Vorteile für den Unterricht und das Lernumfeld. Dies und die zusätzlichen Modellklassen führte aber auch zu einer steigenden Raumnot, der durch die Aufstellung von vier Containerklassen entgegengewirkt werden sollte. Dennoch mussten mehrere Klassen als Wanderklassen ohne eigenen Klassenraum geführt werden.

Laborunterricht in Physik, Chemie und Biologie macht den Unterricht nicht nur lebendiger, sondern auch praxisgerechter.

Rund 40 Jahre nach den letzten großen Renovierungen Anfangs der 1970er-Jahre kam es unter dem neuen Direktor Mag. Michael Päuerl in zwei Etappen von 2011-2013 zu einer Modernisierung der Bausubstanz und der Infrastruktur: Die Schule wurde behindertengerecht adaptiert, ein Lift wurde eingebaut und im Inneren wurden viele Details erneuert und verschönert. Auch die technische Infrastruktur wurde wesentlich verbessert. In Planung ist auch eine Erweiterung der Schule durch einen Neubau der Turnsäle mit zusätzlichen darüber liegenden Unterrichtsräumen, die den Container- und Wanderklassen ein Ende bereiten sollen.

Unter Dir. Päuerl kam es aber auch zu wichtigen Anpassungen an den angebotenen Schulformen der Keimgasse. Da bislang laut allgemeinen Lehrplänen erst in der 5. Klasse eine Einführung in EDV stattindet, die Keimgasse aber bereits in der Unterstufe Computer und moderne Medien für den Unterricht nützt, wurde für alle ersten Klassen eine wöchentliche Unterrichtseinheit Informatik zur Einführung in den Umgang mit Computern, Schulnetz und Lernplattform beschlossen. Zeitgemäße Änderungen gab es auch in den Schulzweigen an der Oberstufe: Für das Realgymnasium gibt es eine Wahlmöglichkeit zwischen der intensiven Weiterführung von Laborunterricht in BIU, PH und CH oder als Alternative Darstellende Geometrie und Informatik. Für den Gymnasiumszweig hingegen wurde eine Wahlmöglichkeit geschaffen zwischen der intensiven Weiterführung des Informatikunterrichts und einem neuen Zweig mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Recht.  >> mehr

Das Motto „Schule lebt“ trifft also in besonderem Maße auf die Keimgasse zu. Die laufenden Verbesserungen und Anpassungen der Schule an gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedürfnisse und ein hohes Ausbildungsniveau sollen den Absolventen der Keimgasse einen möglichst erfolgreichen Start ins Studium und ins Berufsleben ermöglichen.

OStR Mag. Peter Karanitsch