Keimgassler auf dem Weg zur Umweltkompetenz - Umweltzertifikate verliehen!
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Geschrieben von: Mag. Clemens Pichler   

zertifizierung largeSeit Beginn des Jahres 2012 ist das BG/BRG Keimgasse zertifiziertes Testcenter des "Vereins Wirtschaftszertifikate in der Bildung". Dieser Verein wickelt bereits die Prüfungen zu den bekannten Zertifikaten zur IT-Kompetenz ("Computerführerschein") und Wirtschaftskompetenz ("Unternehmerführerschein") ab. Nun steht unseren Schülerinnen und Schülern auch die Möglichkeit offen, ein anerkanntes Zertifikat für Umweltkompetenz zu erwerben – und von dieser Möglichkeit haben am Freitag, dem 17. 2. 2012, acht Schülerinnen und Schüler der 7A und 7B Gebrauch gemacht. Unter der Aufsicht eines externen Prüfers absolvierten sie die Online-Prüfung über das erste Modul "Ecoprofit Assistant". Ich gratuliere den Kandidatinnen und Kandidaten Ruth Geissler, Julia Katzensteiner, Andrea Krenn, Sarah Rossmann, Maria Talkanitsa, Annika Thür, Felix Waldschütz und Markus Wappl herzlich zu dieser Pionierleistung – es war dies österreichweit erst die achte derartige Prüfung, die im schulischen Rahmen absolviert wurde. Die Verleihung der Zertifikate erfolgte am 8.5.2012 durch Herrn Dir. Mag. Michael Päuerl.

 

"Ecoprofit" ist ein Umweltmanagementsystem, das von der TU Graz in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Graz (Umweltamt) entwickelt worden und besonders für kleinere Unternehmen und Gemeinden geeignet ist. Es leitet Betriebe dazu an, nachhaltiger zu wirtschaften. Weltweit sind bisher in mehr als 5000 Unternehmen Projekte nach diesem Umweltmanagementsystem durchgeführt worden. Allein in Graz haben bisher mehr als 100 Unternehmen Programme nach "Ecoprofit" durchlaufen und dadurch 7 Mio m³ Wasser, 6,5 Mio. m³ Abwasser, 4100 t gefährlicher Abfälle, 10 000 t Restmüll und 108 000 MWh Energie eingespart1. "Ecoprofit" beinhaltet auch ein Ausbildungsprogramm, das die Lernenden in 4 Modulen zum Umweltmanager bzw. Energiemanager führt, der die Fähigkeit hat, in Unternehmen die notwendigen Schritte in Richtung ressourcenschonenderer und energieeffizienterer Produktion zu setzen. Derzeit können Prüfungen über die ersten beiden Module in der Schule über den "Verein Wirtschaftszertifikate in der Bildung" abgelegt werden.

Eine der ersten Fragen, die sich für Außenstehende stellt (und die mir auch die Schülerinnen und Schüler anfangs gestellt haben), lautet erwartungsgemäß: Was bringt es, ein solches Zertifikat zu erwerben? Darauf möchte ich als Pädagoge antworten: Nicht das Zertifikat selbst bringt den Schülerinnen und Schülern den größten Nutzen, sondern die Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie auf diesem Wege erworben haben – das Zertifikat bestätigt nur diese Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Ausbildungsprogramm zum Modul „Ecoprofit Assistant" weist große Überschneidungen mit dem Biologie-Lehrplan für die 7. Klasse auf und kann somit sehr leicht in den Unterricht integriert werden. Es beinhaltet die Themen "Abfallwirtschaft", "Nachhaltiges Wirtschaften", "Ökologischer Fußabdruck", "Vorsorgender Umweltschutz" und "Energiemanagement". Fundiertes Fachwissen und kritisches Bewusstsein sind hier im privaten Bereich ebenso von Nutzen wie in einem Unternehmen, wo die Steigerung von Energieeffizienz und die Reduktion des Materialverbrauchs bzw. der Emissionen letztlich mittel- und langfristig zu einer wirtschaftlicheren und zukunftssichereren Produktionsweise führen.

Das Bewusstsein darüber, dass die Ressourcen unseres Planeten und seine Aufnahmekapazitäten für Emissionen begrenzt sind, entwickelt sich nach und nach bei Konsumenten, politischen Entscheidungsträgern und der Gesellschaft insgesamt. Dies sollte nicht als Bedrohung, sondern als Zukunftschance begriffen werden. Innovative, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen werden unter zukünftigen Rahmenbedingungen – z. B. höhere Energie- und Rohstoffpreise, Gebühren für Verschmutzungs- oder Emissionsrechte, größere Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die nicht unter Ausbeutung von Menschen und Umwelt erzeugt bzw. erbracht wurden – Wettbewerbsvorteile haben. Es gibt somit auch handfeste ökonomische Gründe für eine Wende zu einer ökologisch und sozial nachhaltigeren Wirtschaftsweise.

Schließlich stellt auch Umweltkompetenz für den einzelnen (zukünftigen) Arbeitnehmer einen Faktor dar, der seine Chancen am Arbeitsmarkt erhöht, sollen doch mit dem „Masterplan green jobs" des Lebensministeriums bis 2020 vor allem im Bereich Umwelttechnik und erneuerbarer Energie weitere 100 000 Arbeitsplätze in Österreich geschaffen werden!2 Gerade an der AHS, der immer wieder vorgehalten wird, sie bereite die jungen Menschen nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt vor, ist es wichtig, Zusatzqualifikationen anzubieten. Ein breites Spektrum von Zusatzangeboten und Vertiefungsmöglichkeiten gehört seit Langem zu den tragenden Säulen des Schulprofils der Keimgasse. Ich freue mich, dass dieses Spektrum ab heuer um eine fundamental wichtige Facette, nämlich die handfeste Nachweismöglichkeit für ökologische Handlungskompetenz, reicher geworden ist.

 

Weitere Informationen über das Zertifikat und die Zertifizierungsstelle:

http://www.it4edu.at/

http://www.cpc.at/

 

Das Programm Ökoprofit in Graz: http://www.oekostadt.graz.at/cms/beitrag/10098766/1599078/

 

2 vgl. http://www.green-jobs.at/

 

Fotos: Mag. Silvia Krumpholz-Pichler

 

 

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